Profimannschaft 16.06.2016, 08:28 Uhr

ALEX GORGON SAGT NACH 21 JAHREN SEINER AUSTRIA „SERVUS!“

Er machte mit den Veilchen Höhen und Tiefen durch. Jetzt, nachdem er mit 19 Toren in der Saison 2015/16 neuen persönlichen Bundesliga-Bestwert aufstellte und damit großen Anteil daran hat, dass der Klub wieder international spielt, sagt Alexander Gorgon seiner Austria zumindest vorerst „Servus“! Er möchte sich einer neuen Herausforderung im Ausland stellen.

Alex Gorgon sagt nach 21 Jahren seiner Austria „Servus!“

Im zarten Alter von sechs Jahren zum FK Austria Wien nach Favoriten gekommen, verlässt der in Wien geborene Sohn polnischer Eltern nach 21 Jahren und insgesamt 248 nationalen und internationalen Pflichtspielen (68 Tore/28 Assists) den Verein. In diesem hat er sich von den Knirpsen bis zum Vizekapitän der Kampfmannschaft emporgearbeitet und in die Herzen der Fans gespielt.

Nach seinem Abschied sprach der zweifache Familienvater im Interview mit der fk-austria.at über seine lange violette Zeit, die vergangene Saison 2015/16, über Erfolge, Rückschläge, Verletzungen, Trainer im allgemeinen, die Mannschaft und seine Erfahrungen beim Rekordcupsieger.

Über schönste Erfolge und Momente: „Das ist ganz leicht. Es war das komplette Meisterjahr 2012/13, es war wirklich etwas Besonderes, ganz Spezielles. Vielleicht stach das Frühjahr 2013 noch heraus, weil wir da gemerkt haben, wir könnten uns vielleicht vorne festsetzen. Die letzten Spiele zuhause waren von der Stimmung im Stadion, das jedes Mal ausverkauft war, einfach unglaublich.“

Über eine besondere Partie, die von damals in Erinnerung blieb: „Es war das letzte Heimspiel am 22. Mai 2013, wir gewannen gegen SV Mattersburg vor 12.000 Zuschauern 4:0 und haben damit das Meisterstück geschafft. Die ersten 15 Minuten dieses Spiels waren für mich eigentlich die schönsten, da gelang mir das 1:0 und nach zwölf Minuten führten wir 3:0.“

Über die schwierigsten Momente, die nach der fünften Runde 2013/14 mit der Knie-OP und langer Pause mit Verzicht auf die Champions-League-Premiere folgten: „Das war sehr bitter, weil mit der Austria kommt man nicht alle Jahre in die Königsklasse des Fußballs. Als Bub sitzt du vor dem TV-Gerät und denkst dir, irgendwann einmal würde ich da auch gerne auf dem Platz stehen und die Champion-League-Hymne hören.“

Über diesen herben Rückschlag und dessen Aufarbeitung: „Das ist mir leider verwehrt worden. Das ist so im Fußball, es gibt immer wieder traurige Geschichten. Wenn ich nur daran denke, wie oft sich vor einer WM oder EM Spieler verletzten, die dann auch nicht teilnehmen können an dem Turnier. Rückschläge gehören dazu, irgendwann kommen dann auch die Höhepunkte, man muss wieder aufstehen.“

Über eine etwaige Rückkehr zur Austria als Spieler oder in anderer Funktion: „Für mich wäre es das Schönste, wenn ich in vier, fünf Jahren sagen kann, ich bin körperlich so fit, dass ich in der obersten Spielklasse spielen, dem Verein noch helfen kann. Könnte ich hier einmal meine Karriere beenden, wäre das ein Traum.“

Über Trainer, die das dienstälteste Veilchen im Laufe der Jahre am meisten geprägt haben: „Ich will keine Namen nennen, aber ich denke, dass jeder einzelne etwas dazu beigetragen hat, dass sich ein Spieler entweder weiterentwickelt oder vielleicht aus schlechten Situationen, wenn es nicht so läuft, geholt hat.“

Über Trainerwechsel im allgemeinen: „Es macht auch immer wieder Spaß, mit neuen Charakteren, mit neuen Typen zu arbeiten. Auch wenn es manchmal nicht so einfach ist, weil man sich wieder auf neue Sachen einstellen muss. Aber das macht eben das Zwischenmenschliche im Sport so interessant.“

Über Trainer Thorsten Fink, der im Sommer 2015 geholt wurde, und was ihn auszeichnet: „Er lebt einfach Tag und Nacht Fußball – aber nicht nur er, sondern der ganze Betreuerstab. Wir Spieler spüren auch dieses Vertrauen, das er in uns setzt. Ich denke, wir zahlen es ihm auch zurück. Man sieht wie das Trainerteam zusammenhält, die Familien kennen einander sehr gut, sie fahren öfter gemeinsam auf Urlaub. Das zeigt uns, dass es eine geschlossene Einheit ist, die uns nach vorne pushen will. Es sind wirklich coole Typen.“

Über die Arbeit von Fink: „Der Trainer war selber jahrelange Profispieler beim FC Bayern München, hat sehr vieles erlebt und viele Titel geholt. Das, was er uns vermittelt, ist auch sehr glaubwürdig. Er ist einer, der einen brutal gut pushen kann! Er würde es auch nie und nimmer zulassen, dass man sich auf irgendeinen Erfolg ausruhen kann. Man muss sich immer wieder aufs Neue beweisen.“

Über den Unterschied der Punkteausbeute im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016 sowie die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsresultate: „Es gibt ein paar Faktoren dafür. Der eine ist, wie es der Trainer schon angesprochen hat, dass wir mehr Punkte geholt haben, als Salzburg und Rapid noch im Europacup engagiert waren. Das könnte ein Grund sein, dass das Duo ein paar Zähler liegenließ.“

Über den Gewinn des Herbstmeistertitels 2015: „Wir haben öfters im Finish von Spielen den Siegestreffer erzielt. Da haben wir einfach ein bisschen mehr Glück gehabt, das wir uns auch erarbeitet und dafür mehr gemacht haben. Und im Frühjahr war es eben so, dass uns dieses Quäntchen Glück gefehlt hat. Wir haben auch zu wenig an uns geglaubt, vor allem in den Spitzenspielen. Vielleicht wissen wir gar nicht, wozu wir imstande wären, wenn wir noch mehr an uns geglaubt hätten.“

Vielen Dank für unvergessliche Jahre, Alex Gorgon!

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. CASHPOINT SCR Altach 20 42
2. FC Red Bull Salzburg 20 40
3. SK Puntigamer Sturm Graz 20 39
4. FK Austria Wien 20 37
5. SK Rapid Wien 20 27
6. FC Admira Wacker Mödling 20 23
7. RZ Pellets WAC 20 22
8. SV Guntamatic Ried 20 20
9. SKN St. Pölten 20 18
10. SV Mattersburg 20 14
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