Profimannschaft 16.12.2015, 09:14 Uhr
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FINK ZIEHT HALBJAHRES-BILANZ ALS AUSTRIA-TRAINER

Der FK Austria Wien überwintert erstmals seit 2012/13 wieder im Spitzenfeld der tipico Bundesliga, ist Zweiter, zwei Punkte hinter Salzburg und einen Zähler vor Rapid. Wer hätte nach zwei mageren Jahren ohne Europacup-Teilnahme eine solche violette Renaissance erwartet?

© Bildagentur Zolles KG Fink zieht Halbjahres-Bilanz als Austria-Trainer

Einer der Architekten trägt den Namen Thorsten Fink. Der Trainer aus dem Land des Fußball-Weltmeisters Deutschland hat unseren Veilchen in den ersten 20 Runden des Spieljahres 2015/16 neuen Schwung gegeben.

Die ersten zwei „Frühjahrsrunden“ (0:2 WAC, 1:2 Altach)“, die noch heuer absolviert wurden, waren vom Resultat nicht befriedigend. „Die waren nicht so überzeugend. In den vergangenen sechs Monaten haben wir aber etwas entwickelt, worauf wir alle stolz sein können”, resümiert Fink.

Im Rückblick auf den Herbst 2015 und das bisher Erreichte gab er offen und ehrlich zu, dass er vor seinem Amtsantritt im heurigen Sommer nicht unbedingt erwartet hatte, gleich in seiner ersten Saison Herbstmeister (nach 18 Runden) zu werden.

Als er antrat, wusste Fink, dass vorher „der Verein wirklich durch ein Loch gegangen“ ist, zuletzt Siebenter war und das ÖFB-Cup-Endspiel verloren hat. „In dieser Situation musste ich einmal positive Stimmung in die Mannschaft und den Verein einbringen“, erinnert er sich an seine violetten Anfänge.

„Mit Herbsttitel hat man nicht rechnen können“

Das habe ihn und seinen Kollegen im Trainerteam schon viel Energie gekostet, meinte er, um fast im gleichen Atemzug das Positive hervorzuheben: „Aber wir haben das geschafft." Man habe nicht damit rechnen könnten, den Herbstmeistertitel auf Anhieb zu holen!“

Dass er die Violetten unter die ersten drei, das stets propagierte Ziel, führen könne, davon ging unser neuer Cheftrainer hingegen schon aus. „Das wusste ich. Dass es schwer werden würde, das wusste ich ebenso, da auch Sturm Graz Ansprüche auf einen Spitzenplatz stellt“, erklärt Fink.

Er ist jetzt „sehr zufrieden“ mit der Entwicklung seiner Schützlinge. Doch es ist freilich nicht alles Gold, was vom zweiten Tabellenplatz glänzt. Der 48-Jährige zählt auf, wo es weitere Verbesserungen geben muss: Einerseits weniger Tore kassieren und aus dem offensiven Mittelfeld müssen noch mehr Treffer erzielt werden.

„Auf der rechten Seite trifft Alex Gorgon oft, von der anderen Seite sind nicht so viele Tore geschossen worden. Dort liegen die ersten Ansätze zur Steigerung im Frühjahr“, betonte der frühere defensive Mittelfeldspieler, der für den FC Bayern in der obersten deutschen Bundesliga 367 Spiele bestritten hat.

Fink'sche Wünsche ans Christkind

Vorerst einmal gilt es, sich in der stillsten Zeit des Jahres zu besinnen, abzuschalten und vielleicht Wünsche für Weihnachten zu überlegen. Fink verriet, was als Austria-Trainer in seinem Brief ans Christkind nach dem bisher einzigen feststehenden Abgang (von Philipp Zulechner) steht.

„Ich wünsche mir, dass kein weiterer Spieler den Verein im Winter verlässt, wenn er nicht unbedingt will“, sagt Fink, der die Mannschaft vom Charakter her so zusammenhalten möchte, wie sie derzeit ist. Sein zweiter Wunsch ging am Samstag mit dem 1:2 gegen Altach in der Generali-Arena nicht in Erfüllung: „Winterkönig“ und damit fast zwei Monate Leader sein.”

Der Blick des Deutschen ist aber schon wieder nach vorne gerichtet. Er hofft, dass alle seine Spieler am 4. Jänner gesund und frisch aus dem Urlaub zurückkehren. „Damit wir mit dem gleichen Elan und dem gleichen Willen wie in den ersten 18 Runden in die Jänner-Vorbereitung starten können.“

Fink-Vorsatz für 2016: „Keinen Deut nachlassen!“

Für das neue Jahr nimmt sich Fink vor, keinen Deut nachzulassen, weiterhin seine volle Kraft einzusetzen. „Damit ich die Mannschaft wieder pushen kann, wenn es sie es braucht, und ich ruhig bin, wenn sie mal Ruhe benötigt“, so der vierfache deutsche Meister und dreimalige DFB-Pokalsieger.

Der Champions-League- (2001) und Weltpokal-Gewinner (2002/alles mit FC Bayern) verriet, dass er „manchmal ein bisschen geduldiger“ sein möchte mit seiner Mannschaft. „Meine Schwäche ist, dass ich manchmal nicht so geduldig bin, wie ich es gerne wäre“, stellt der sympathische Blondschopf selbstkritisch fest.

Sein Alter sieht man ihm nicht an, sein Körper wirkt austrainiert als stünde er noch im vollen Saft. Trotzdem spricht Thorsten seine Lenze unverblümt an. „Ich bin auch schon älter geworden, habe schon ein paar Vereine gehabt und hoffe, dass ich daraus auch gelernt habe“, meint der ehemalige Coach des FC Ingolstadt, FC Basel, HSV und Apoel Nikosia.

Fink, dessen Fußball-Philosophie auf viel Ballbesitz, agieren vor reagieren ausgerichtet ist und der Visionen und Ziele für ganz wichtig hält, fühlt sich in Wien und bei der Austria wohl. „Man schenkt mir hier viel Vertrauen“, meinte er im November in einem Interview mit einem deutschen Journalisten.

Weihnachten wird unser Trainer übrigens zu Hause in aller Ruhe in seinem Münchner Heim mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen Benedict und Julius, die noch bis 21.12. zur Schule gehen müssen, sowie seinen Eltern verbringen. „Silvester feiern wir ebenfalls daheim, da laden wir zwei, drei Freunde ein“, sagt Fink. Reisen gibt es nicht, er relaxed, um mit „vollem Elan“ nach Wien zurückzukehren.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 19 44
2. FC Red Bull Salzburg 20 43
3. SK Rapid Wien 20 34
4. FC Flyeralarm Admira 20 31
5. LASK 20 27
6. CASHPOINT SCR Altach 20 25
7. FK Austria Wien 19 23
8. SV Mattersburg 20 21
9. RZ Pellets WAC 20 16
10. SKN St. Pölten 20 7
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