Akademie 05.09.2015, 06:18 Uhr

INTERVIEW MIT FÜHRUNGS-EXPERTE CHRISTIAN KANDUTSCH

Unsere Akademie-Trainer nutzten kürzlich die Möglichkeit, sich zum Thema Teamführung weiterzubilden. Christian Kandutsch, Geschäftsführer des Insititus für Führung (IFÜ), leitete die Weiterbildungs-Maßnahmen und erzählt nun im Interview mit fk-austria.at über die Parallelen zwischen Fußball und Wirtschaft.

Interview mit Führungs-Experte Christian Kandutsch

Wie ist der Kontakt zur Austria entstanden?
Im Frühjahr 2015 stand für alle hauptberuflichen Trainer eine Führungsausbildung im Rahmen einer modularen Weiterbildung am Programm. Ziel dieser Ausbildung war es den Trainern praktische Werkzeuge der Menschenführung an die Hand zu geben, die es ihnen erleichtern sollen noch effektiver mit der Mannschaft zu agieren.

Mit welchen Herausforderungen sehen sich Trainer ihrer Meinung konfrontiert?
Ich werde häufig gefragt, inwiefern sich Menschenführung in der Wirtschaft mit derer im Fußball überschneidet und ob Führungstechniken, die in der Wirtschaft angewendet werden, für eine Fußballmannschaft auch tauglich und zielführend sind. Für mich ist klar: Trainer sind Führungskräfte in Reinkultur. Wie in der Wirtschaft ist auch hier das angestrebte Ziel, aus einer heterogenen Gruppe eine schlagkräftige und resiliente Einheit zu formen. Ein moderner Fußballtrainer muss jedoch noch effizienter, noch pointierter, noch führungstechnisch beschlagener und entscheidungsfreudiger in einer sehr speziellen Situation mit der Mannschaft agieren, als dies in der Wirtschaft erforderlich ist.

Können Sie dies anhand von Beispielen erklären?
Zunächst ist da die Tatsache, dass Erfolg grundsätzlich nicht planbar ist. Taktik ist planbar, Aufstellungen und Spielsysteme sind planbar, der Erfolg auch bei besten Rahmenbedingungen nicht. Im Fußball gibt es einige nicht kalkulierbare Faktoren – exemplarisch sei hier die Schiedsrichterleistung erwähnt. Auch die bestens vorbereitete und trainierte Mannschaft ist machtlos gegen Fehlentscheidungen des Unparteiischen.

Gibt es hier Parallelen zur Wirtschaft?
Fußballmannschaften existieren wesentlich kürzer als Teams in der Wirtschaft. Transferfenster erzeugen nachvollziehbare Unruhe, Abwanderungsgelüste von Mannschaftsmitgliedern müssen bearbeitet und kompensiert werden. Jeder neue Spieler bedeutet zunächst einmal eine Herausforderung. Unverzüglich ändern sich Dynamiken im Team, Räume werden durch neue Spieler eingenommen und verändern dadurch das gesamte Teamgefüge. Es ist Fakt, dass ein Trainer mit Sicherheit nach einigen Monaten wieder eine andere, weil veränderte Mannschaft vor sich hat. Dies impliziert auch, dass ein Fußballtrainer die erfolgreiche und rasche Integration von neunen Spielern initiieren und fördern können muss, um die Mannschaft rasch wieder arbeitsfähig zu machen.

Darüber hinaus steht man als Fußballtrainer wöchentlich im Fokus.
Fußballtrainer stehen permanent in der Öffentlichkeit und ihr Erfolg oder Misserfolg lässt sich jedes Wochenende anhand der Tabelle ablesen. Dies ist ein erheblicher Unterschied zur klassischen Führung in der Wirtschaft. Oft bleiben dort Führungsfehler jahrelang unbemerkt und schlagen sich nicht sofort in negativen Zahlen oder Punkten nieder. Schlechte Führung im Mannschaftssport zieht fast immer unverzüglich negative Resultate nach sich.

Bewerten Sie die Wirtschaft als ähnlich schnelllebig wie den Fußball?
Ein Fußballtrainer durchläuft ein Wellental von Erfolg und Misserfolg  rasend schnell. Zwei gute, erfolgreiche Partien, womöglich garniert mit einem Überraschungserfolg und die Euphoriewelle scheint kaum beherrschbar. Eine Woche später verliert man gegen den Tabellennachzügler und vieles wird unverzüglich in Frage gestellt. Dies bedeutet auch für die jeweilige Trainerpersönlichkeit  und dessen Umfeld eine dementsprechende Herausforderung.

Hat sich die Wichtigkeit von richtiger Menschenführung in den  letzten Jahren verändert?
Ganz klar, aber die zu führenden Menschen auch. Flachere Hierarchien, Wertewandel, veränderte Lebensbedingungen und hohe Erwartungen an die Führung stellen moderne Führungskräfte vor besondere Herausforderungen. Das „Peitschenknallen“ funktioniert aus meiner Sicht heute gar nicht mehr – weder in der Wirtschaft noch im Fußball. Trainer haben sich heute auch vermehrt mit Befindlichkeiten wie Frustration  und interpersonellen Konflikten innerhalb der Mannschaft auseinanderzusetzen. Ob sie dies wollen oder nicht. Die Interaktion und Kommunikation zwischen den Spielern und dem Trainer ist während des Spiels eingeschränkt und limitiert. Trainer müssen  über ein besonderes Maß an Kommunikationsfähigkeit und Empathie verfügen, um die einzelnen Akteure und die gesamte Mannschaft zu erreichen. Fachlich, um das jeweilige System und die Taktik zu kommunizieren und auf der Beziehungsebene, um positive Emotionen zu wecken.

Erachten Sie es als wichtig, dass sich ein Trainer oder Geschäftsführer auf die Persönlichkeiten seiner Teammitglieder eingeht?
Der Trainer muss seine Akteure individuell führen – so wie es erfolgreiche Führungskräfte auch in der Wirtschaft tun. Jeder Mensch ist anders – deshalb darf der Trainer seine Mannschaft auch nicht als identische Gruppe sehen, sondern muss wissen, wie man mit den unterschiedlichsten Charakteren „richtig“ umgeht.

Linktipp:
+ www.ifue.at

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 36 79
2. FK Austria Wien 36 61
3. SK Puntigamer Sturm Graz 36 61
4. CASHPOINT SCR Altach 36 54
5. FC Flyeralarm Admira 36 47
6. SK Rapid Wien 36 46
7. SV Mattersburg 36 43
8. RZ Pellets WAC 36 40
9. SKN St. Pölten 36 37
10. SV Guntamatic Ried 36 35
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