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Die Austria ist wieder da

Der Neugebinn

Schon Anfang der neunziger Jahre wurde immer wieder über eine Euro-Liga der großen europäischen Klubs nachgedacht. Mit der Saison 1992/93 begann eine neue Phase im europäischen Vereinsfußball: Die Champions League war nun auf dem Parkett, auf dem sich das große Fußball-Europa bewegte. Die beiden Wiener Großklubs Rapid und Austria versuchten an diesem großen Kuchen mitzunaschen.

Der Einstieg der Creditanstalt zusätzlich zum Langzeitsponsor Austria Tabak erlaubte dem Vereinsvorstand einen neuen Anlauf in Richtung Spitze. Dank dieser beiden Sponsoren wurde eine Mannschaft zusammengestellt, die nach einigen Anfangsschwierigkeiten wieder zu den absoluten Meisterschaftsfavoriten zählen wird. Und im April 1999 folgte der große Paukenschlag: Nach seinem Abschied als großteils erfolgreicher Nationaltrainer feierte die Austria-Legende "Schneckerl" Prohaska sein Comeback bei den Veilchen. Mit ihm kehrte die Begeisterung zur Austria zurück.

Der Betriebsführungsvertrag

Im November 1999 präsentierte die Austria einen neuen Hauptsponsor. Magna, die Firma von Austro-Kanadier Frank Stronach, übernahm die Führung der Kampfmannschaft. Unter dem Druck, einen Neuanfang starten zu wollen, setzte der neue Großinvestor Magna auf andere Pferde. Für Prohaska kam Heinz Hochhauser, der mit Ried überraschend erfolgreich war. Im Sommer 2000 trat die Austria am Transfermarkt als "der" Einkäufer auf. Mit gleich neun neuen Spielern sollte Hochhauser die Austria wieder ganz an die Spitze führen. Auch ihm blieb, wie später dem Holländer Arie Haan und dem Duo Pfeffer/Hörmann, der Erfolg versagt.

Erst mit der Verpflichtung von Didi Constantnini als Coach im Winter 2001/02 schaffte die Austria nach sieben Jahren wieder die Qualifikation für den UEFA-Cup, die heutige UEFA Europa League. Im Sommer kam mit Walter Schachner ein alter, bekannter Spieler als Trainer zurück zum Verein. Kurz vor Nennschluss für den Europacup gelang der Austria mit der Verpflichtung von Djalminha ein Sensationstransfer. Noch mehr Sensation war allerdings die unerwartete Ablöse von Walter Schachner durch den deutschen Starcoach Christoph Daum. Ein unorthodoxer Trainerwechsel, zumal Schachner souverän die Tabelle anführte und nur eine Niederlage in elf Spielen verbuchen musste.

Wer mit den Adlern kreisen will, darf nicht mit den Hühnern picken! Frank Stronach

Mit Daum wurde ein Mann für die Zukunft und die Ziele des Klubs geholt, nämlich ein erfolgreiches Bestehen in der Champions League, der den Weg zum internationalen Großklub um eine weitere Ebene ergänzen sollte. Der FK Austria Memphis MAGNA, wie die Austria damals offiziell hieß, errang den 22. Meistertitel. Nebenbei sicherte sich die Austria auch den Cupsieg und damit das Double. Dennoch verließ Daum nach einer erfolgreichen Saison Österreich.

Sein Nachfolger Joachim Löw, der bereits mit dem FC Tirol erfolgreich österreichische Fußballluft geschnuppert hatte, war bis März 2004 im Amt, ihm folgte Sportdirektor Günter Kronsteiner, der in einer Doppelfunktion – Sportdirektor und Trainer – die sportliche Alleinverantwortung hatte. Kronsteiner holte sich mit Beginn der neuen Saison Lars Söndergaard als Trainer. Der Däne arbeitete erfolgreich in Salzburg, die beiden kannten einander seit ihrer gemeinsamen Vergangenheit bei den Mozartstädtern. Die UEFA-Cup-Saison 2004/05 verlief unter den beiden sehr erfolgreich. Die Qualifikation für die reformierte Gruppenphase gelang in zwei Spielen gegen Legia Warschau. Dort holten die Violetten die erforderlichen Punkte und erreichten die KO-Phase, in der Athletic Bilbao und Real Saragossa bezwungen werden konnten. Erst im Viertelfinale scheiterte man am FC Parma (1:1, 0:0) denkbar knapp aufgrund der Auswärtstorregel.

Die Zusammenarbeit mit dem Duo wurde im April 2005 beendet und im Mai 2005 betraten die Ex-Spieler Peter Stöger sowie Frenkie Schinkels die Kommandobrücke. Nach etwa vier Wochen errangen die beiden den Cupsieg 2005 und holten in der folgenden Saison 2005/06 mit den Veilchen das Double.

Die Austria ist wieder da

Ende 2005 verkündete Frank Stronach, dass Magna den Betriebsführungsvertrag mit der Austria mit Ende der Saison kündigen würde. Viele Medien titelten damals mit Schlagzeilen wie "Austria im Chaos". Doch bis zur Generalversammlung im Jänner 2007 waren 90 Prozent der anwesenden Mitglieder vom Konzept der neuen Austria, die durch eine Gründung der FK Austria Wien AG Gestalt annehmen sollte, vom positiven Neubeginn überzeugt. Neben Finanz-Vorstand Markus Kraetschmer und Sport-Vorstand Thomas Parits, sind das neue Präsidium rund um Wolfgang Katzian, sowie der Verwaltungsrats-Vorsitzende Karl Blecha und der Kuratoriums-Vorsitzende Bürgermeister Michael Häupl als federführende Personen der Neu-Strukturierung zu nennen.

Am 23. Oktober 2006 wurde Georg Zellhofer als neuer Austria-Trainer vorgestellt. Sein erstes Pflichtspiel gegen Wacker Tirol gewann er mit 4:1. "Schurl" führte das violette Team am 1. Mai 2007 zum Sieg im Cupfinale(2:1 gegen den SV Mattersburg), dies bedeutete zugleich die Qualifikation für den UEFA-Cup. Im März 2008 trennten sich jedoch die Wege und für den Rest der Saison übernahm Didi Constantini das Ruder. Der Tiroler errang mit den Veilchen, wie schon 2002, doch noch den angestrebten Europacup-Startplatz.

Nach dem Abgang des späteren Nationalteam-Trainers betreute mit Saisonbeginn 2008/09 Austria-Urgestein und Publikumsliebling Karl Daxbacher (vom LASK kommend) gemeinsam mit Co-Trainer Sepp Michorl die Kampfmannschaft der Austria. Die beiden hatten zuvor bereits von 2002/03 bis 2005/06 höchst erfolgreich die Geschicke der violetten Amateure gelenkt. 2009 wurde der Cuptitel erneut nach Wien-Favoriten geholt, es sollte aber der einzige Titel unter Daxbacher bleiben. Bereits 2008 wurde begonnen, die Infrastruktur rund um und in der heutigen Generali-Arena zu verbessern. Die Austria-Familie wächst spätestens seit dem Neubau der Akademie unweit des Stadions auch räumlich zusammen.

Meister, Punkterekord und UEFA Champions League

Nach einem kurzen Trainer-Auftritt von Ivica Vastic trat Peter Stöger am 11. Juni 2012, zum zweiten Mal nach 2005, gemeinsam mit Manfred Schmid das Traineramt an. Unter dieser Führung vollbrachte es die Austria, trotz des im Vorjahr heftig kritisierten Kaders 2012/13 den Bundesliga-Titel inklusive Punkte-Rekord (82 Zähler) einzufahren. Der Neuanfang nach Stronach war somit auch sportlich endgültig gelungen.

Weil Stöger/Schmid mit Ende der Saison dem Lockruf des 1. FC Köln folgten, bestellte die Austria mit Nenad Bjelica einen Nachfolger, der sich zuvor beim Wolfsberger AC einen sehr guten Ruf erarbeitet hatte. Im Sommer 2013 wurde eine der größten internationalen Leistungen der Vereinsgeschichte geschafft. Nach Siegen über FH Hafnarfjordur aus Island und Dinamo Zagreb erreichte die Austria erstmals in der Vereinsgeschichte die UEFA Champions League.

Dort zeigten die Violetten gute Leistungen und holten in einer Gruppe mit dem FC Porto, dem späteren Finalisten Atletico Madrid und Zenit St. Petersburg fünf Punkte. Der dritte Platz und der damit verbundene Umstieg in die K.O.-Phase der UEFA Europa League wurde nur denkbar knapp verpasst.

Mit Cheftrainer Thorsten Fink wieder am Weg nach oben

In der heimischen Meisterschaft war der FK Austria Wien in derselben Herbstsaison jedoch weniger erfolgreich. Im Februar 2014 lagen die Veilchen mit 31 Punkten aus 23 Spielen nur auf dem fünften Platz, weswegen Trainer Nenad Bjelica sowie Co-Trainer Rene Poms beurlaubt wurden. Noch am selben Tag trat Herbert Gager, der Trainer der Amateurmannschaft, in die Fußstapfen von Bjelica. Trotz dieses Wechsels erreichte die Austria in der Endabrechnung der Saison 2013/2014 nur den vierten Platz. Somit waren die Veilchen in der Saison 2014/15 in keinem internationalen Bewerb vertreten.

Nach der verpassten Europacup-Qualifikation wurde Herbert Gager Ende Mai 2014 vom Trainer des Cupsiegers 2013, Gerald Baumgartner, als Cheftrainer abgelöst. Baumgartners Engagement blieb jedoch erfolglos, weshalb er am 22. März 2015 von Amateur-Trainer Andy Ogris ersetzt wurde. Nach einem sportlichen Aufwärtstrend schafften es die Veilchen in der Folge bis ins Finale des ÖFB Cups, in welchem man sich jedoch RB Salzburg in der Verlängerung ganz knapp geschlagen geben musste.

Nach der zweijährigen internationalen Abstinenz führten Thorsten Fink, welcher seit Juli 2015 als neuer Cheftrainer fungiert und Sportdirektor Franz Wohlfahrt, der ebenfalls seit 2015 tätig ist und Thomas Parits ablöste, die Violetten in der Saison 2015/2016 wieder auf einen internationalen Startplatz.

Erstmals nach zweieinhalb Jahren war der FK Austria Wien 2016/17 wieder im Europacup vertreten. Nach überstandener UEFA-Europa-League-Qualifikation, in welcher unter anderem Spartak Trnava und Rosenborg Trondheim ausgeschaltet wurden, kamen die Veilchen in eine Gruppe mit dem rumänischen Meister Astra Giurgiu, dem tschechischen Meister Viktoria Plzen und dem italienischen Spitzenklub AS Roma. Trotz tollem Start, insgesamt elf erzielten Toren und des 3:3-Remis in Rom – nach 1:3-Rückstand – schied Austria Wien in der Gruppenphase aus.

Die Bundesliga beendeten die Veilchen im Jahr 2017 auf dem zweiten Platz hinter Meister Salzburg. Wieder gelang die Qualifikation für die Gruppenphase der UEFA Europa League, wo der kroatische Double-Gewinner HNK Rijeka, der griechische Verein AEK Athen sowie mit dem AC Milan erneut ein italienischer Topklub auf Austria Wien warteten. Wie im Jahr davor war aber auch 2017/18 bereits nach der Gruppenphase Schluss, blieb nur der vierte Platz.

Turbulente Jahre in der neuen Heimat

Thorsten Fink wurde am 25. Februar 2018 nach einer 1:2-Niederlage gegen die Admira auf dem siebten Tabellenplatz liegend von seinen Aufgaben entbunden, zwei Tage später übernahm Thomas Letsch das Traineramt. Der Deutsche führte die Veilchen, ohne Sportdirektor Franz Wohlfahrt, der vor Saisonbeginn beurlaubt wurde, damit auch in die erste Saison der ausgebauten und renovierten Generali-Arena, die im Sommer 2018 nach zwei Jahren Umbau wiedereröffnet wurde. Das offizielle Eröffnungsspiel fand gegen Borussia Dortmund (0:1) statt, das erste Pflichtspiel konnte gegen Aufsteiger Wacker Innsbruck (2:1) gewonnen werden.

Der erste große Wiener Derby in der neuen Generali-Arena sowie das insgesamt 328. Aufeinandertreffen mit dem Stadtrivalen gewann Austria Wien am 16. Dezember 2018 mit 6:1 und fuhr damit den höchsten Derbysieg in der Geschichte österreichischen Bundesliga ein. Die Saison 2018/19 war zudem die erste nach der Bundesliga-Reform, die nun erstmals seit 1993 wieder zwölf Vereine in der höchsten Spielklasse vorsah. Die zweite Leistungsstufe wurde auf 16 Teams aufgestockt, wodurch auch die Austria Amateure, neu in Young Violets umbenannt, wieder spielberechtigt waren und seither in der 2. Liga spielen.

Die neue Reform sah außerdem eine Teilung der Tabelle nach 22 Runden in Meister- und Qualifikationsgruppe vor, wobei die Punkte nach der Teilung halbiert werden. Austria Wien gelang als Fünfter der Einzug in die Meistergruppe und beendete diese unter der Leitung von Interimstrainer Robert Ibertsberger auf dem vierten Rang. Letsch war zuvor März 2019 wie sein Vorgänger von seinen Aufgaben entbunden worden, Co-Trainer Ibertsberger übernahm.

Doppelte Rückkehr von Peter Stöger

Im Sommer 2019 kehrte mit Peter Stöger der letzte Meistertrainer der Veilchen zum Verein zurück. Der ehemalige Trainer des 1. FC Köln und von Borussia Dortmund wurde neuer Sportvorstand bei Austria Wien. Als neuer Trainer wurde schon zuvor Christian Ilzer, der in den Jahren davor große Erfolge mit dem TSV Hartberg und dem Wolfsberger AC feierte, präsentiert.

In der Qualifikation zur UEFA Europa League scheiterten die Violetten in der dritten Qualifikationsrunde an Apollon Limassol. Auch die Meisterschaft lief nicht nach Wunsch, die Meistergruppe wurde mit dem siebten Platz im Grunddurchgang verpasst, die Austria musste demnach in die Qualifikationsrunde. Die musste jedoch aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben werden und konnte nicht wie geplant im März, sondern erst im Juni 2020 starten. Die Veilchen sicherten sich in vielen englischen Wochen und aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ohne Zuschauer den Sieg und traten im ligainternen Europa-League-Play-Off um den letzten internationalen Startplatz an.

Dort konnte erst der zweitplatzierte der Qualifikationsgruppe, der SCR Altach, besiegt werden, im Anschluss kam es zum Duell mit dem Fünften der Meistergruppe, dem TSV Hartberg. Die Steirer setzten sich jedoch in Hin- und Rückspiel durch und sicherten sich das Recht zum Start in der zweiten Qualirunde der UEFA Europa League.

Nachdem Christian Ilzer im Juli 2020 seinen Wechsel zum SK Sturm Graz bekanntgab, kam es beim FK Austria Wien zu einer Rückkehr auf dem Trainerstuhl. Am 31. Juli 2020 übernahm Peter Stöger als General Manager Sport nach englischem Modell den Posten des sportlichen Leiters sowie des Cheftrainers der ersten Mannschaft. Nach 2005 und 2012/13 ist Stöger damit derzeit zum dritten Mal Coach von Austria Wien.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. FC Red Bull Salzburg 5 15
2. SK Rapid Wien 5 13
3. LASK 5 10
4. SK Puntigamer Sturm Graz 5 9
5. spusu SKN St. Pölten 5 7
6. FK Austria Wien 5 7
7. WSG Swarovski Tirol 5 5
8. CASHPOINT SCR Altach 5 4
9. FC Flyeralarm Admira 5 4
10. RZ Pellets WAC 5 3
11. SV Guntamatic Ried 5 3
12. TSV Prolactal Hartberg 5 3
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