EUROPACUP-FINALE

Europacup-Finale

Der Weg ins Europacup-Finale

Nachkriegszeit: Der Wiederaufbau des Fußballs

Nach dem Ende des Weltkrieges war ganz Wien lahm gelegt. Die Austria trat erstmals wieder am 6. Juni an und es ging, wie könnte es anders sein, gegen Rapid. Das Ergebnis lautete 2:2 und die 3.000 Zuschauer, die das Spiel besuchten, stellen bis heute den Tiefpunkt des Zuschauerinteresses für das Wiener Derby dar. 1945 sammelte sich der alte Austria-Stamm im Sporthaus Pohl auf der Mariahilferstraße. Auch das Stadion wies Wunden auf und aus den Kabinen der Austria fehlten Schuhe und Dressen - die Stunde "Null" war wieder einmal da. Jerusalem, Stroh, Adamek, Andritz, die Großen der Dreißigerjahre begannen aufs Neue. Zu ihnen kamen die Jungen wie Kominek und Huber.

"Vogerl" Geyer, der erste Trainer nach dem Krieg, präsentierte den jungen Stürmer Ernst Stojaspal. Mit ihm und dem genialen Dolfi Huber, in dem viele den Nachfolger Sindelars sahen, dem jungen Kominek, den Routiniers Mikolasch und Joksch wurde Austria, bei der auch noch die Altstars Kopetko, Safarik, Stroh und Jerusalem aktiv waren, wieder eine große Mannschaft. Wudi Müller übernahm das Training und bald darauf stießen der Kärntner Ernst Melchior - von den Fans mit dem Ehrennamen "G'scherter" getauft - und der Modelltischler Ernst Ocwirk zum Klub. Mit ihm erlebte Austria eine neue Zeit, in der die Violetten wieder das wurden, was sie vor dem Krieg waren: eine europäische Spitzenmannschaft!

Mehr als zehn Jahre beherrschten sie die Fußballszene und boten spielerische Glanzleistungen, wobei es nicht immer Siege waren, die den Anhang entzückten. So gehörte das Spiel gegen die damals beste europäische Mannschaft, Honved Budapest mit Ferenc Puskas, zu den ruhmreichen Niederlagen: Endstand 6:7! Honved führte schon 4:0 - Austria glich aus, 6:4 nach Seitenwechsel, kurz darauf 6:6 und in letzter Minute stellte Kosics auf 7:6 - die Zuschauer riss es bei diesem dramatischen Spiel von den Bänken.

1949/50 konnte die Austria den Titel in der ersten gesamtösterreichischen Meisterschaft erringen. 1951 ging es erstmals nach Südamerika. Im Maracana-Stadion von Rio war die mit sechs Spielern des Weltmeisters Uruguay gespickte Mannschaft von National Montevideo Austrias Gegner. Ocwirk und Stojaspal spielten entfesselt und die Austria siegte 4:0. Man musste an der Copacabana zur Kenntnis nehmen, dass man auch am Donaustrand Fußball spielen kann. Im April 1953 wurde für Spieler über 30 Jahre die bis dahin gültige Auslandssperre aufgehoben, im Zuge der WM 1954 verlies ein Gutteil der Spieler das Nationalteam und wechselte nach Frankreich oder Italien. Auch die Austria war von dieser Abwanderungswelle betroffen. Stojaspal, Melchior, Kominek und Aurednik gingen nach Frankreich. Für die Austria bedeutete das Jahr 1954 den Zerfall einer bis ins Letzte eingespielten Mannschaft mit großartigen Fußballern.

 

Die Austria schlägt den Stadtrivalen mit 6:0

"Amateure" bei der Austria

Die unmittelbaren Nachkriegsjahre waren vorbei, in Österreich wurden die ersten Anzeichen des Wiederaufbaus spürbar. Auch die Fußballer, die jahrelang quasi um ein Butterbrot gespielt hatten, verdienten wieder sehr ordentliche Summen. Es wurde deutlich, dass in Österreich ein technisch perfekter Fußball gespielt wurde, dass man aber die Entwicklung am konditionellen Sektor verschlafen hatte. Dazu kam, dass das alte, eingespielte Team aufgrund zahlreicher Auslandsverpflichtungen nicht mehr bestand. Die Lösung des Problems sah man in einem Forcieren des Nachwuchses.

Einer, der rechtzeitig erkannt hat, dass der Weg nach oben nur über den eigenen Nachwuchs geht, war Leopold Stroh, der Bruder des glanzvollen Stürmers der Dreißigerjahre, der selbst bei Austria spielte. Nach dem Krieg förderte Stroh als Jugendleiter den Austria-Nachwuchs in einer zur damaligen Zeit kaum überbietbaren Art. Junioren, Jugend, Schüler und Knabenmannschaften wurden aus dem Boden gestampft und Austrias Nachwuchs war bald ein Talentreservoir, das weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt war.

Im Jahr 1954 entstand - unter der Führung des späteren Klubsekretärs Norbert Lopper - auch der erste Austria Fanklub „AWAK“, der auch Prominente wie den Schriftsteller Friedrich Torberg oder Schauspieler Attila Hörbiger unter den anfänglich 200 Mitgliedern begrüßen durfte.

Bis auf den noch verbliebenen Ernst Ocwirk, hatte das Team der Austria ein völlig neues Gesicht bekommen. Doch auch dieser wechselte im Sommer 1956 zu Sampdoria Genua. Ein schwerer Schlag für die Austria und darüber hinaus ein Signal für den Zustand des österreichischen Fußballs, dem seine Stars abhanden gekommen waren. Ein stetiger Erfolg stellte sich nicht ein, häufige Trainerwechsel waren die Folge. Nach vielen Abgängen staunten die Zuschauer, als eine Austria-Mannschaft mit den Unbekannten Popek, Hirnschrodt, Fiala, Vargo und Blutsch Rapid in Hütteldorf mit 2:1 schlug.

Am 27. April 1958 gab es wieder einmal ein Derby Austria - Rapid im Wiener Stadion, das 1:1 endete. Das Besondere an diesem Match war aber nicht das Ergebnis, sondern die Tatsache, dass das Spiel die erste Fußball-Live-Übertragung in Österreich darstellte. Der Fernseh-Fußball übte damals eine solche Faszination aus, dass sich gerade 6.700 Zuschauer ins Stadion verirrten. Im Februar 1959 ging mit den vier Vereinen Austria, Rapid, Simmering und dem WAC das erste Wiener Stadthallenturnier über die Bühne. Die Austria ist mit 19 Titeln bei diesem Turnier der unumstrittene Hallenkönig!

In der Saison 1959/60 übernahm "Joschi" Walter die Leitung der Austria und führte erstmals das Leistungsprinzip - am Schreibtisch, wie am Rasen - ein. Er erkannte, dass Fußball ein Geschäft ist und man sich entsprechend an den Rahmenbedingungen orientieren müsse. Walter sollte helfen, die ständig wachsenden finanziellen Probleme der Austria abzubauen. Der Kader wurde verkleinert, jungen Talenten das Vertrauen ausgesprochen. Ein deutlicher Leistungsanstieg war die Folge, in der Meisterschaft ging es aufwärts.

1960/61 konnte die Mannschaft unter Trainer Schlechta erstmals nach zehn Jahren wieder Meister werden, und zwar mit einer Mannschaft, die neben guter Technik vor allem durch Kampfkraft überzeugte. In den kommenden Jahren – auch 1962 und 1963 konnte der Meistertitel geholt werden – wurde vermehrt die Tendenz zum Kauf von Legionären spürbar. Der Grund war darin zu sehen, dass die Preise für inländische Nachwuchskräfte wesentlich gestiegen waren und man mit den Legionären dem Publikum neue Attraktionen bieten wollte. Der Kauf von Jacare, der 6 Jahre bei der Austria blieb, war der Beitrag der Austria zu diesem Trend.

Die Ära der Reformen

In der Saison 1963/64 errang die Austria den zweiten Meisterschaftsrang und das Cupfinale: Fast jeder andere Klub wäre mit dieser Bilanz mehr als zufrieden gewesen, nicht so die Austria. Die Neuerwerbungen des Vorjahres mussten den Klub wieder verlassen. Dafür wurde vom Sportclub Routinier Erich Hof verpflichtet, der Torhüter Öczan sollte der Verteidigung mehr Sicherheit geben. Ansonsten wurde aber nach jungen Talenten Ausschau gehalten: Robert Sara, Thomas Parits, Karl Kodat, Alfons Dirnberger und der legendäre "Buffy" Ettmayer kamen in die Mannschaft. Mit Sara hatte man eines der künftigen Austria-Idole verpflichtet, 21 Jahre lang spielte er für die Austria, absolvierte dabei 562 Meisterschafts- und 72 Cupspiele. 

Mit diesem Team wurde bei der Austria eine harte Welle eingeleitet: Abbau der leistungsschwächeren Auslandsstars, profiähnliches Training, modernes Fußballspiel. Die Austria, allen voran Joschi Walter, erkannte als erster die Zeichen der Zeit und so war der Klub der erste Verein in Europa, der mit der Schwechater Brauerei einen Sponsor fand und auf den Dressen nun groß das Zeichen des Sponsors trug. Die Medien und auch viele Fans protestierten dagegen und sahen bereits das Ende des Fußballs gekommen. 

Die sportlichen Erfolge waren zufriedenstellend, doch die Führung der Austria wollte mehr. Das Duo Walter-Stroh hatte vorerst ohne große Öffentlichkeit an dem Plan gearbeitet, durch eine Fusion der Austria mit Admira Energie einen Großklub zu schaffen, der im europäischen Fußball oben mitmischen sollte - die Verhandlungen scheiterten jedoch. Walter und Stroh zogen die Konsequenzen und demissionierten, Ocwirk schloss sich ihnen kurze Zeit später an. Zu dieser Zeit wurde auch ein blutjunges Talent engagiert, das schon damals seine Anlage zum Weltstar durchblicken ließ: Felix Gasselich. Dazu wurde am 26. August 1973 das erste Spiel im Franz-Horr-Stadion, der heutigen Generali-Arena, ausgetragen: Die Austria besiegte die Vienna mit 4:1.

 

Die Eröffnung des "Franz-Horr-Stadions"

Der Fußball als Wirtschaftszweig

"Die Zeiten haben sich geändert. Ein Fußballverein ist heute längst kein Hobby mehr, das man so schlecht und recht durch die finanziellen Wirrnisse steuert, ganz besonders gilt dies bei den Spitzenklubs. Sie sind in unseren Tagen Unternehmen, die neben dem sportlichen Ziel auch die wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten beachten müssen", erkannte Joschi Walter bereits in den siebziger Jahren. Ab 1977 hat aber die Austria Tabakwerke die Sponsor-Tätigkeit übernommen und die Austria konnte einen ihrer größten Erfolge unter dem neuen Namen "Austria-Memphis" erringen. Im Spieljahr 1977/78 wurde man überlegener Meister und brach alle bisher bestehenden Rekorde: Noch nie zuvor hatte ein Klub so viele Punkte errungen und noch nie mit einem so großen Punkteabstand die Meisterschaft gewonnen. Dazu stieß erstmals ein österreichischer Klub in das Finale eines Europacups vor. Dieses Erfolgsjahr stand im Zeichen eines Fußballers, des Fußballers des Jahres 1978: Herbert Prohaska!

Die große Mannschaft des Jahres 1978 blieb nahezu unverändert, dementsprechend war die Austria in Österreich eine Klasse für sich. Vier Meisterschaften holte man en suite, einmal sogar mit 14 Punkten Vorsprung. Auch international hatten die Violetten Erfolge, die von anderen österreichischen Clubs bis heute nicht erreicht wurden. Nach dem Finaleinzug im Cup der Cupsieger 1978 erreichte man 1979 als bisher einziger heimischer Verein das Semifinale des Meistercups, der heutigen Champions League. In den Jahren darauf eliminierte man reihenweise Gegner der europäischen Elite, Namen wie Inter Mailand und FC Barcelona wurden aus dem Bewerb geworfen. 1983 erreichte man wieder das Semifinale des Cupsieger-Bewerbs. Die Stars der 80er-Jahre hießen Herbert Prohaska, der ungarische Teamkapitän Tibor Nylasi und Toni Polster. Mit diesen Spielern wurde man 1984-86 wieder Meister. In den nächsten Jahren war man zwar national immer an der Spitze zu finden, international blieben die Erfolge aber leider aus. Trotz teilweise beachtlicher Leistungen blieb man spätestens in der 3. Runde hängen.

Auf und ab bei der Austria

Anfang der 1990er gab es national einen weiteren Erfolgslauf. Meister von 1991-93, Cupsieger 1990, 1992 und 1994, sowie Supercupsieger 1991-94, da blieb unter dem Trainertrio Prohaska, Obermayer und Sara nicht viel für andere Vereine übrig. Valdas Ivanauskas, Peter Stöger, Andi Ogris und Franz Wohlfahrt waren die bekanntesten Spieler dieser Generation. Leider konnte diese Erfolgsmannschaft aufgrund geänderter finanzieller Umstände und manch interner Unstimmigkeit nicht zusammen gehalten werden, die besten Spieler mussten abgegeben werden. Ivanauskas und Wohlfahrt wechselten in die deutsche Bundesliga, Flögel nach Schottland, Ogris, Prosenik, Stöger und Zsak suchten sich neue Vereine in Österreich. So schlitterte die Wiener Austria in eine der schlimmsten sportlichen Krisen ihrer Geschichte. Verlustreiche Meisterschaften und häufige Trainerwechsel ließen die Medien immer häufiger über den Niedergang der Austria schreiben.

Die Austria verzeichnete 1991 einen hervorragenden Start in die Frühjahrssaison, die ersten sieben Spiele wurden gewonnen. Die Meisterschaft blieb bis zur letzten Runde spannend, Austria und Tirol hatten noch Titelchancen und die Veilchen mussten zur Admira in die Südstadt. Lange führten die Niederösterreicher, erst ein Traumtor von Christian Prosenik sicherte den Ausgleich und damit den Titel für die Austria. Unvergesslich bleiben die Jubelszenen nach Spielende, als Meistermacher Prohaska auf den Schultern seiner Spieler durchs Stadion getragen wurde.