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Die Violetten während des zweiten Weltkriegs

"Sportklub Ostmark": Die Austria in den Jahren des Nationalsozialismus

Wer sich heute eine Liste der österreichischen Fußballmeister ansieht, der könnte glauben, dass die Zeit des Nationalsozialismus auf den Österreichischen Fußball keine Auswirkung gehabt hat. Denn da werden zwischen 1938 und 1945 die Meister der damaligen "Ostmark" angeführt, so als ob sich im Fußball zu dieser Zeit nichts verändert hätte. Doch gerade die Wiener Austria ist wohl das beste Beispiel, dass dem nicht so war. Denn die Austria war dem NS-Regime aus zwei Gründen besonders zuwider: Erstens als Klub, der vor allem unter den Funktionären einen hohen Anteil an jüdischen Bürgern hatte und zweitens als Verein, der besonders das spielerische Element, das "Wiener Scheiberlspiel", betonte. Dieser Spielstil vertrug sich überhaupt nicht mit dem geradlinigen Spiel der Deutschen und war deshalb nicht gerne gesehen.

Am 13. März 1938 wurde Österreich dem nationalsozialistischen Deutschland Adolf Hitlers einverleibt. Die Wiener Austria hatte zu dieser Zeit eine starke Mannschaft, doch bereits am Tag des Einmarsches wusste man, was nun auf den Verein zukommen würde. Der legendäre Präsident der Austria, der "Michl" Schwarz, musste das Land sofort verlassen, aber auch der übrige Vorstand emigrierte fast geschlossen nach Frankreich oder in die Schweiz.

Überraschenderweise wurde der Fußballbetrieb in der "Ostmark", wie das ehemalige Österreich nun hieß, bald nahezu unverändert fortgesetzt, mit einer Ausnahme: jüdischen Spielern wurde jede sportliche Tätigkeit untersagt, jüdische Vereine wurden aufgelöst. Alle Jüdinnen und Juden, die weiter Sport betreiben wollten, wurden dem Verein "Maccabi" zugeteilt, wo diese aber nur mehr gegeneinander antreten durften.

Die Austria hatte bereits fast den gesamten Vorstand und etwa die Hälfte ihrer Stammspieler verloren, als es am 17. März 1938 noch schlimmer kam: Die vorläufige Sperre des Vereins wurde bekannt gegeben. Die verbliebenen nicht-jüdischen Austria-Spieler durften nicht mehr ins Wiener Stadion, in dem die Austria zu dieser Zeit beheimatet war, denn das Stadion war gleich nach dem Anschluss zur Kaserne für deutsche Soldaten umfunktioniert worden. Die Austrianer konnten also nicht mehr trainieren, die Funktionäre durften das Sekretariat nicht mehr betreten und konnten die Geschäfte des Vereines nicht mehr führen.

Schließlich richteten sich die Spieler und die Geschäftsführung notdürftig am Cricketer-Platz ein. Als "Kommissarischer Leiter" der Austria wurde der SA-Sturmbannführer Hermann Haldenwang bestellt und benannte angeblich auf Befehl des Reichssportführers Tschammer den Verein nun vorrübergehend in "Ostmark" um. Haldenwang wurde kurz darauf durch den NS-Reichsbund für Leibesübungen in Berlin abgesetzt und durch den Sekretär der ehemaligen Nationalliga und früheren FAC-Sektionsleiter Richard Ziegler ersetzt. Der Platz des Präsidenten wurde allerdings nicht mehr besetzt: Der Austria-Vorstand bestand darauf, dass dieser Platz nur dem "Michl" Schwarz zukomme und hielt ihm sein Präsidentenamt auch tatsächlich bis zu seiner Rückkehr im Sommer 1945 offen.

Die Mannschaft der Austria war allerdings zwischen 1938 und 1945 wesentlich schwächer als in den Jahren davor. Die jüdischen Spieler waren emigriert, viele Nachwuchsspieler wurden zum Heer eingezogen, so dass nur mehr eine Rumpfmannschaft zur Verfügung stand. Außerdem hatten die Vereine immer weniger Geld, denn die großen Spiele, zum Beispiel im Mitropacup, gab es nicht mehr. Dazu kam, dass im Sommer 1938 der Professionalismus abgeschafft wurde und auch die Übertrittsbestimmungen für Spieler verschärft wurden. So konnte man kaum fertige Spieler verpflichten und war auf den Nachwuchs angewiesen. Natürlich traf das auf alle Vereine zu, doch manche konnten es sich eher richten als andere.

Der große Star der Austria, Matthias Sindelar, fiel am 23. Jänner 1939 einem bis heute ungeklärten Unfall zum Opfer. „Tod durch Rauchgasvergiftung“ hieß die offizielle Version, die auch in der Polizeiakte vermerkt wurde. Geplanter Mord, Selbstmord oder Doppelselbstmord mit seiner Geliebten waren viel zitierte Gerüchte.

"Es jubelt die Hohe Warte, der Prater und das Stadion, wenn er den Gegner lächelnd narrte und zog ihm flinken Laufs davon. Bis eines Tages andrer Gegner ihm jählings in die Quere trat, ein fremd und furchtbar überlegner, vor dems nicht Regel gab noch Rat. Das Tor, durch das er dann geschritten, lag stumm und dunkel ganz und gar. Er war ein Kind aus Favoriten und hieß Matthias Sindelar." Friedrich Torberg

In der ostmärkischen Liga reichte es nun nur mehr zu hinteren Plätzen, die beste Leistung war noch ein fünfter Rang. Der Kriegsbeginn im September 1939 verschärfte die Situation nochmals, denn nun mussten die meisten Spieler zum Militär einrücken. Schon im Oktober 1939 meldete die Austria, dass insgesamt siebzehn Spieler, darunter ein Gutteil der Kampfmannschaft, "unter den Waffen stehen". Mit zunehmender Kriegsdauer wurde der Fußballsport immer mehr in Mitleidenschaft gezogen, es gab kaum mehr attraktive Spiele und kaum mehr einsatzbereite Spieler.

Viele Matches wurden gar nicht mehr angepfiffen, weil eine der Mannschaften nicht gekommen war oder nicht einmal sieben Spieler hatte. Etliche andere Spiele mussten abgebrochen werden, weil wieder einmal Fliegeralarm gegeben wurde und die Mannschaften schleunigst den nächsten Luftschutzkeller aufsuchen mussten. Es ist aber bemerkenswert, dass trotz aller Probleme bis zum März 1945 weiter Fußball gespielt wurde und dass zu jedem Spiel tausende von Zuschauern kamen, obwohl sie oft vergeblich auf den Anpfiff warteten. Doch der Fußball war, abgesehen vom Kino, das einzige Vergnügen, das den Menschen im zerstörten Wien noch geblieben war. Zu dieser Zeit wurde übrigens auch das Austria-Sekretariat in der Jasomirgottstraße zerbombt. Das ist der Grund, warum es über die Geschichte der Austria in der Nazi-Zeit kaum mehr Material gibt.

Tabelle
Pl. Mannschaft Spiele Pkt
1. SK Puntigamer Sturm Graz 18 36
2. CASHPOINT SCR Altach 18 36
3. FC Red Bull Salzburg 18 34
4. FK Austria Wien 18 34
5. SK Rapid Wien 18 24
6. RZ Pellets WAC 18 22
7. FC Admira Wacker Mödling 18 22
8. SV Guntamatic Ried 18 20
9. SKN St. Pölten 18 14
10. SV Mattersburg 18 11
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